Kontoführungsgebühren: Warum ein 0-Euro-Girokonto trotzdem Geld kosten kann
Kostenlose Kontoführung bedeutet nicht automatisch, dass jede Leistung auf dem Girokonto kostenlos ist

Ein Girokonto mit 0 Euro Kontoführungsgebühren klingt zunächst eindeutig. Kein monatlicher Grundpreis, also keine Kosten. In der Praxis ist diese Rechnung jedoch nicht immer so einfach.
Die monatliche Kontoführung ist nur eine mögliche Kostenposition.
Je nach Kontomodell können weitere Entgelte für Karten, bestimmte Überweisungen, Bargeldleistungen oder andere Bankdienstleistungen hinzukommen. Auch eine Kontoüberziehung kann zusätzliche Zinskosten verursachen.
Die BaFin weist darauf hin, dass Banken Gebühren verlangen können, wenn diese vertraglich vereinbart wurden.
Welche Entgelte für ein konkretes Konto gelten, lässt sich unter anderem in der Entgeltinformation sowie im Preis- und Leistungsverzeichnis erkennen.
Wer ein Girokonto wirklich nach Kosten vergleichen möchte, sollte deshalb nicht bei der Zahl neben „Kontoführung pro Monat“ aufhören.
0 Euro Kontoführungsgebühren sind nur die erste Zahl
Ein Konto kann bei der monatlichen Grundgebühr tatsächlich 0 Euro kosten und trotzdem nicht in jeder Nutzungssituation kostenlos sein.
Das lässt sich bereits im offiziellen Kontenvergleich der BaFin erkennen.
Dort werden neben dem monatlichen Entgelt für die Kontoführung beispielsweise auch Kosten beziehungsweise Konditionen für Debitkarten, Kreditkarten und eingeräumte Kontoüberziehungen separat dargestellt.
Für Verbraucher bedeutet das: Zwei Konten mit 0 Euro monatlicher Kontoführung können am Jahresende unterschiedlich viel gekostet haben.
Entscheidend ist, welche Leistungen tatsächlich genutzt wurden.
Die Debitkarte kann den ersten Unterschied machen
Eine der ersten Positionen, die beim Vergleich geprüft werden sollte, ist die Debitkarte.
Bei manchen Kontomodellen ist sie in der Kontoführung enthalten. Bei anderen kann dafür ein zusätzliches Entgelt vorgesehen sein.
Der BaFin-Kontenvergleich weist diese Information deshalb als eigenes Vergleichskriterium aus.
Wer seine Karte täglich zum Bezahlen verwendet, sollte diesen Punkt nicht als Nebensache behandeln.
Ein Konto ohne monatliche Grundgebühr kann finanziell weniger attraktiv sein, wenn für eine regelmäßig benötigte Karte zusätzlich bezahlt werden muss.
Umgekehrt kann ein Konto mit einer kleinen monatlichen Gebühr bestimmte Leistungen bereits enthalten.
Der sinnvollere Vergleich lautet daher nicht „Welches Konto hat keine Grundgebühr?“, sondern „Was kostet mein persönliches Nutzungsverhalten insgesamt?“
Auch bei Kreditkarten lohnt sich ein zweiter Blick
Ähnlich sieht es bei Kreditkarten aus.
Eine Kreditkarte kann Bestandteil eines Kontomodells sein, separat berechnet werden oder überhaupt nicht angeboten werden.
Wer keine Kreditkarte benötigt, muss diesem Punkt kaum Gewicht geben.
Wer sie jedoch regelmäßig für Reisen, Buchungen oder andere Zahlungen nutzt, sollte mögliche Kosten in die Jahresrechnung einbeziehen.
Hier zeigt sich ein wichtiges Prinzip beim Kontovergleich: Eine Leistung ist nur dann ein Vorteil, wenn man sie tatsächlich braucht.
Ein scheinbar umfangreiches Kontopaket ist nicht automatisch günstig, wenn für Leistungen bezahlt wird, die im Alltag kaum genutzt werden.
Bargeld kann kostenlos sein, muss es aber nicht überall sein
Viele Menschen vergleichen Girokonten hauptsächlich nach digitaler Nutzung. Im Alltag kann Bargeld trotzdem eine Rolle spielen.
Entscheidend ist dann nicht nur, ob Bargeldabhebungen grundsätzlich möglich sind.
Wichtig ist auch, unter welchen Bedingungen und an welchen Automaten sie ohne zusätzliches Entgelt durchgeführt werden können.
Wer regelmäßig Bargeld benötigt, sollte deshalb überlegen, wo normalerweise abgehoben wird.
Ein Konto kann auf dem Papier günstig erscheinen, im persönlichen Alltag aber zusätzliche Kosten verursachen, wenn häufig kostenpflichtige Möglichkeiten genutzt werden.
Das gleiche Prinzip gilt für Bargeldeinzahlungen. Wer regelmäßig Bargeld auf das eigene Konto einzahlen muss, hat andere Anforderungen als jemand, der ausschließlich digital bezahlt.
Eine kleine Gebühr wird erst in der Jahresrechnung sichtbar
Einzelne Bankgebühren wirken häufig unbedeutend.
Genau deshalb lohnt es sich, sie auf zwölf Monate hochzurechnen.
Angenommen, eine bestimmte regelmäßig genutzte Leistung kostet 2 Euro pro Monat. Das sind 24 Euro pro Jahr. Bei 5 Euro monatlich entstehen 60 Euro im Jahr.
Kommen mehrere kleine Positionen zusammen, verändert sich das Bild weiter.
Eine Kartengebühr, einzelne kostenpflichtige Leistungen und gelegentliche Zusatzkosten können dafür sorgen, dass ein angeblich kostenloses Konto über ein Jahr betrachtet keineswegs kostenlos genutzt wurde.
Bei einem Girokonto, das möglicherweise viele Jahre bestehen bleibt, ist die jährliche Perspektive deshalb aussagekräftiger als eine einzelne Monatsgebühr.
Der Dispozins kann wichtiger werden als die Kontoführungsgebühr
Wer das Konto gelegentlich überzieht, sollte sich nicht ausschließlich mit den Kontoführungsgebühren beschäftigen.
Bei einem eingeräumten Dispositionskredit können Zinsen anfallen, sobald das Konto innerhalb des vereinbarten Rahmens ins Minus rutscht.
Der aktuelle BaFin-Kontenvergleich zeigt deutlich, dass sich die angegebenen Dispozinsen zwischen Kontomodellen unterscheiden können.
Für jemanden, der nie ins Minus geht, hat dieser Zinssatz möglicherweise wenig Bedeutung.
Wer dagegen häufiger oder über längere Zeit einen negativen Kontostand hat, kann durch die Überziehungszinsen deutlich mehr bezahlen als durch eine normale monatliche Kontogebühr.
Ein kostenloses Konto mit für die eigene Nutzung ungünstigen Überziehungskonditionen kann daher teurer sein als ein Konto mit einer moderaten festen Grundgebühr.
Überweisungen sind nicht in jedem Nutzungsszenario identisch
Auch die Art, wie Bankgeschäfte erledigt werden, kann eine Rolle spielen.
Menschen, die fast ausschließlich Online-Banking oder eine Banking-App nutzen, benötigen möglicherweise andere Leistungen als Kunden, die häufig Filialservices oder bestimmte manuelle Aufträge verwenden.
Deshalb sollte man bei einem Konto nicht nur prüfen, ob Überweisungen grundsätzlich möglich sind.
Interessanter ist, welche Form der Überweisung im eigenen Alltag genutzt wird und ob dafür laut Preisverzeichnis Kosten vorgesehen sind.
Das verhindert, dass ein Konto aufgrund eines kostenlosen digitalen Standardangebots ausgewählt wird, obwohl regelmäßig andere Leistungen benötigt werden.
Die Entgeltinformation gehört zu den wichtigsten Dokumenten vor der Kontoeröffnung
Banken müssen für Giro- und Basiskonten bestimmte Informationen zu den Kosten transparent bereitstellen. Dazu gehört die sogenannte Entgeltinformation.
Nach Angaben der BaFin muss sie vor Vertragsabschluss rechtzeitig und kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Sie enthält standardisierte Informationen zu häufig genutzten Dienstleistungen und soll den Vergleich unterschiedlicher Konten erleichtern.
Dieses Dokument ist deutlich hilfreicher als nur ein Werbeslogan auf einer Produktseite.
Wer dort lediglich „0 Euro Kontoführung“ liest, kennt noch nicht zwangsläufig das vollständige Kostenbild.
Die Entgeltaufstellung zeigt, was das Konto wirklich gekostet hat
Interessant ist nicht nur, was ein Konto theoretisch kosten kann, sondern auch, was tatsächlich bezahlt wurde.
Die BaFin unterscheidet deshalb zwischen der Entgeltinformation vor beziehungsweise rund um die Auswahl eines Zahlungskontos und der Entgeltaufstellung, die die tatsächlich durch Kontoführung und Nutzung entstandenen Kosten darstellt.
Beide Informationen müssen nach Angaben der Aufsicht kostenlos bereitgestellt werden.
Wer bereits ein Girokonto besitzt, kann damit überprüfen, ob sich über das Jahr Kosten angesammelt haben, die im Alltag kaum aufgefallen sind.
Das ist häufig aussagekräftiger als die Erinnerung daran, welche Konditionen bei der Kontoeröffnung beworben wurden.
Ein Gehaltseingang kann über kostenlose Kontoführung entscheiden
Bei Kontomodellen mit Bedingungen sollte genau geprüft werden, wann eine Grundgebühr entfällt und wann sie anfällt.
Eine Kostenbefreiung kann an Voraussetzungen geknüpft sein.
Relevant ist deshalb nicht nur der aktuell beworbene Preis, sondern auch, ob die Bedingungen dauerhaft zum eigenen Alltag passen.
Wer beispielsweise seine berufliche Situation verändert oder ein anderes Konto zum Hauptkonto macht, sollte überprüfen, ob bisher erfüllte Voraussetzungen weiterhin gelten.
Ein Konto, das heute kostenlos genutzt wird, muss unter veränderten persönlichen Bedingungen nicht automatisch dieselbe Kostenstruktur behalten.
Das günstigste Konto ist für zwei Menschen nicht unbedingt dasselbe
Eine Person bezahlt fast ausschließlich mit Debitkarte, hebt nur selten Bargeld ab und überzieht das Konto nie.
Eine andere Person nutzt regelmäßig Bargeld, benötigt zusätzliche Bankdienstleistungen und greift gelegentlich auf den Dispositionsrahmen zurück.
Obwohl beide dasselbe Girokonto wählen könnten, wären die tatsächlichen Nutzungskosten möglicherweise unterschiedlich.
Deshalb ist eine Rangliste nach der niedrigsten Grundgebühr allein nur begrenzt hilfreich.
Der BaFin-Kontenvergleich verfolgt ebenfalls einen breiteren Ansatz und stellt verschiedene Merkmale nebeneinander dar.
Die Aufsicht gibt dabei ausdrücklich keine Empfehlung für einzelne Konten oder Anbieter.
Rechnen Sie Ihr Girokonto einmal pro Jahr komplett durch
Ein Girokonto läuft häufig jahrelang weiter, ohne dass seine Kosten erneut geprüft werden.
Einmal im Jahr kann deshalb ein einfacher Kostencheck sinnvoll sein.
Welche Grundgebühr wurde bezahlt? Gab es Gebühren für Karten? Welche weiteren Entgelte sind tatsächlich angefallen?
Wurde der Dispo genutzt? Gibt es Leistungen im Kontomodell, die gar nicht gebraucht werden?
Aus diesen Fragen entsteht eine persönliche Jahresrechnung.
Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, ob ein Konto tatsächlich günstig ist oder nur mit einer niedrigen Grundgebühr wirbt.
Bei Kontoführungsgebühren zählt der Gesamtpreis, nicht die große Null
Kontoführungsgebühren sind ein wichtiger Vergleichspunkt, aber sie sind nicht die ganze Rechnung.
Eine monatliche Grundgebühr von 0 Euro kann attraktiv sein. Sie sagt jedoch nicht automatisch etwas über Debitkarten, Kreditkarten, Bargelddienste, bestimmte Transaktionen oder eine mögliche Kontoüberziehung aus.
Wer ein Girokonto vergleichen möchte, sollte deshalb das eigene Nutzungsverhalten in den Mittelpunkt stellen.
Ein Konto ist nicht günstig, weil auf der ersten Produktseite eine Null steht.
Es ist günstig, wenn die Leistungen, die tatsächlich benötigt werden, über das gesamte Jahr möglichst wenig kosten und die Bedingungen zur eigenen finanziellen Situation passen.
Redaktioneller Hinweis
Dieser Inhalt dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und der finanziellen Orientierung. Er stellt keine individuelle Finanzberatung, Rechtsberatung oder Empfehlung für ein bestimmtes Girokonto, Kreditinstitut oder Finanzprodukt dar. Gebühren, Konditionen und Leistungen können sich ändern und unterscheiden sich je nach Anbieter und Kontomodell. Vor einer Kontoeröffnung oder einem Kontowechsel sollten die aktuellen Vertragsbedingungen, die Entgeltinformation sowie das Preis- und Leistungsverzeichnis des jeweiligen Anbieters geprüft werden. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner geschäftlichen, finanziellen oder werblichen Verbindung zu Banken, Zahlungsdienstleistern oder anderen Finanzunternehmen. Es bestehen keine Affiliate-Partnerschaften im Zusammenhang mit diesem Inhalt.
