Strom Grundversorgung wechseln: Tarif vergleichen und Kostenfallen vermeiden
Vergleichen Sie Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und Bonus, bevor Sie einen neuen Stromvertrag abschließen

Wer die Strom Grundversorgung wechseln möchte, sollte nicht allein den niedrigsten Preis eines Vergleichsportals auswählen.
Ein scheinbar günstiger Tarif kann durch einen hohen Grundpreis, kurze Bonusbedingungen, eine lange Vertragsbindung oder einen höheren Preis im zweiten Jahr unattraktiv werden.
Viele Haushalte gelangen nach einem Umzug automatisch in die Grundversorgung, weil sie keinen anderen Vertrag abgeschlossen haben.
Auch nach dem Ende eines anderen Liefervertrags kann eine Versorgung durch den Grundversorger entstehen.
Die Bundesnetzagentur erklärt, dass ein Grundversorgungsvertrag grundsätzlich mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden kann. Der Wechsel und die Kündigung sind für Haushaltskunden grundsätzlich kostenfrei.
Dieser Artikel zeigt, wie Sie Ihren Jahresverbrauch finden, Angebote realistisch berechnen und einen neuen Vertrag abschließen, ohne sich von einem einmaligen Bonus blenden zu lassen.
Hinweis: Dieser Inhalt ist allgemeine Verbraucherinformation und keine individuelle Energie- oder Finanzberatung. Preise und Vertragsbedingungen ändern sich. Maßgeblich sind das aktuelle Preisblatt, die Vertragszusammenfassung und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters.
Was die Grundversorgung bedeutet
Die Grundversorgung ist eine gesetzlich geregelte Form der Energielieferung durch den örtlichen Grundversorger.
Sie kann beispielsweise entstehen, wenn:
- Sie in eine Wohnung einziehen und Strom nutzen, ohne vorher einen Vertrag abzuschließen.
- Ihr bisheriger Vertrag endet und Sie weiter Strom beziehen.
- Ein Lieferant die Belieferung wirksam beendet.
- Sie bewusst einen Grundversorgungsvertrag wählen.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass nach einem Einzug ohne vorherigen Wunschvertrag eine Grundversorgung entstehen kann.
Wer dort nicht bleiben möchte, kann mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.
Grundversorgung und Ersatzversorgung unterscheiden
Die Begriffe klingen ähnlich, sind aber nicht identisch.
Grundversorgung
Sie ist ein normaler, gesetzlich geregelter Liefervertrag mit dem örtlichen Grundversorger. Haushaltskunden können ihn grundsätzlich kurzfristig kündigen.
Ersatzversorgung
Sie kann vorübergehend greifen, wenn Strom bezogen wird, ohne dass die Lieferung einem bestehenden Vertrag eindeutig zugeordnet werden kann, beispielsweise bei einem plötzlichen Ausfall eines Lieferanten.
Prüfen Sie auf der Rechnung, welche Versorgungsart tatsächlich angegeben ist. Die Preise und Bedingungen können unterschiedlich sein.
Diese Unterlagen brauchen Sie für den Vergleich
- Letzte Jahresabrechnung.
- Aktueller Zählerstand.
- Zählernummer.
- Marktlokations-ID, sofern vorhanden.
- Postleitzahl.
- Aktueller Arbeitspreis.
- Aktueller Grundpreis.
- Jahresverbrauch in Kilowattstunden.
Schätzen Sie den Verbrauch nicht, wenn eine aktuelle Rechnung vorhanden ist. Ein falscher Verbrauch führt zu falschen Vergleichsergebnissen.
Wo Sie den Jahresverbrauch finden
Auf der Jahresabrechnung steht der Stromverbrauch normalerweise in Kilowattstunden, abgekürzt kWh.
Beispiel:
- Vorheriger Zählerstand: 14.300 kWh.
- Neuer Zählerstand: 16.500 kWh.
- Jahresverbrauch: 2.200 kWh.
Wenn die Abrechnung geschätzte Werte enthält, vergleichen Sie diese mit Ihren eigenen Fotos oder Ableseprotokollen.
Arbeitspreis und Grundpreis verstehen
Arbeitspreis
Der Arbeitspreis wird für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet.
Grundpreis
Der Grundpreis fällt unabhängig vom Verbrauch an, meist als monatlicher oder jährlicher Betrag.
Die Bundesnetzagentur erklärt, dass ein Tarif mit niedrigem Grundpreis für Haushalte mit geringem Verbrauch vorteilhaft sein kann.
Bei hohem Strombedarf kann dagegen ein höherer Grundpreis mit niedrigerem Arbeitspreis günstiger sein.
Beispiel für zwei Tarife
Tarif A:
- Arbeitspreis: 32 Cent pro kWh.
- Grundpreis: 180 Euro pro Jahr.
Tarif B:
- Arbeitspreis: 35 Cent pro kWh.
- Grundpreis: 60 Euro pro Jahr.
Bei einem Verbrauch von 1.500 kWh:
- Tarif A: 480 Euro Verbrauchskosten + 180 Euro Grundpreis = 660 Euro.
- Tarif B: 525 Euro Verbrauchskosten + 60 Euro Grundpreis = 585 Euro.
Tarif B hat den höheren Arbeitspreis, ist bei diesem niedrigen Verbrauch aber insgesamt günstiger.
Berechnen Sie den Preis ohne Bonus
Vergleichsportale stellen oft den Preis des ersten Jahres besonders prominent dar.
Darin können Sofortbonus und Neukundenbonus bereits abgezogen sein.
Berechnen Sie deshalb zwei Werte:
- Preis im ersten Jahr mit Bonus.
- Regulärer Jahrespreis ohne Bonus.
Beispiel
- Regulärer Jahrespreis: 1.100 Euro.
- Neukundenbonus: 180 Euro.
- Sofortbonus: 70 Euro.
- Angezeigter Preis im ersten Jahr: 850 Euro.
Im zweiten Jahr kann der Preis wieder bei 1.100 Euro oder nach einer zulässigen Preisänderung noch höher liegen.
Wenn Sie nicht jedes Jahr wechseln möchten, sollte der reguläre Preis ohne Bonus zu Ihrem Budget passen.
Bonusbedingungen vollständig lesen
Ein Bonus kann an Bedingungen geknüpft sein.
Kontrollieren Sie:
- Müssen Sie zwölf Monate durchgehend Kunde bleiben?
- Wird der Bonus erst nach der ersten Jahresabrechnung gezahlt?
- Gilt er nicht bei einem Umzug?
- Gilt er nur für echte Neukunden?
- Wird er bei einer vorzeitigen Kündigung gestrichen?
- Ist eine bestimmte Zahlungsart erforderlich?
- Ist der Bonus bereits im Vergleichspreis abgezogen?
Ein Tarif sollte nicht allein deshalb gewählt werden, weil ein hoher Bonus den ersten Jahrespreis künstlich senkt.
Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist prüfen
Eine lange Preisbindung kann Planungssicherheit bieten, schränkt aber die Flexibilität ein.
Prüfen Sie:
- Mindestvertragslaufzeit.
- Kündigungsfrist.
- Automatische Verlängerung.
- Vertragsbeginn.
- Preisgarantie.
- Sonderkündigungsrechte.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass kürzere Laufzeiten sinnvoll sein können, wenn Sie flexibel auf Preisänderungen reagieren möchten.
Was eine Preisgarantie wirklich abdeckt
Eine Preisgarantie bedeutet nicht immer, dass jede Preisposition unverändert bleibt.
Es kann unterschiedliche Varianten geben:
- Vollständige Preisgarantie.
- Eingeschränkte Preisgarantie.
- Preisfixierung nur für bestimmte Kostenbestandteile.
- Preisgarantie für einen kürzeren Zeitraum als die Vertragslaufzeit.
Die Bundesnetzagentur erklärt, dass eine vertragliche Preisgarantie eine Preiserhöhung ausschließen kann.
Preisänderungen müssen grundsätzlich einen Monat vor ihrem Wirksamwerden angekündigt und begründet werden.
Lesen Sie, ob staatlich beeinflusste Bestandteile, Steuern oder Netzentgelte ausgenommen sind.
Preisänderung nicht mit einer Rechnung verwechseln
Eine höhere monatliche Abschlagszahlung kann zwei Gründe haben:
- Der Strompreis wurde geändert.
- Der erwartete Jahresverbrauch wurde erhöht.
Prüfen Sie das Schreiben genau. Bei einer Preisänderung können besondere Kündigungsrechte bestehen.
Bei einer reinen Abschlagsanpassung muss zunächst kontrolliert werden, welcher Jahresverbrauch zugrunde gelegt wurde.
Pakettarife können riskant sein
Bei einem Pakettarif kaufen Sie eine festgelegte Strommenge.
Mögliche Nachteile:
- Nicht verbrauchte Kilowattstunden werden möglicherweise nicht erstattet.
- Mehrverbrauch kann teuer sein.
- Der Haushalt muss den Verbrauch genau einschätzen.
- Bonus- und Zahlungsbedingungen können kompliziert sein.
Ein Pakettarif kann ungeeignet sein, wenn sich Haushaltsgröße, Homeoffice, Heizung oder Elektrofahrzeug verändern.
Vorauskasse sorgfältig bewerten
Bei Vorauskasse zahlen Sie einen größeren Betrag im Voraus.
Das kann einen Preisvorteil bieten, erhöht aber das Risiko, wenn der Lieferant wirtschaftliche Probleme bekommt.
Für Haushalte mit knappem Budget ist eine hohe Vorauszahlung außerdem schwer planbar.
Monatliche Abschläge sind meist leichter zu kontrollieren als eine Zahlung für viele Monate im Voraus.
Ökostrom nicht nur nach dem Namen wählen
Begriffe wie „grün“, „klimaneutral“ oder „Naturstrom“ können unterschiedlich ausgestaltet sein.
Prüfen Sie:
- Welche Stromkennzeichnung angegeben ist.
- Ob unabhängige Zertifikate vorhanden sind.
- Was genau das Siegel bewertet.
- Ob der Tarif neue Anlagen fördert.
- Wie hoch der Gesamtpreis ist.
Ein ökologischer Tarif muss nicht automatisch teuer sein. Umgekehrt garantiert ein grüner Produktname allein keine bestimmte Wirkung.
Dynamische Tarife sind nicht für jeden Haushalt geeignet
Bei dynamischen Stromtarifen kann sich der Preis kurzfristig nach dem Markt entwickeln.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Anbieter über Kosten, Vor- und Nachteile solcher Tarife informieren müssen.
Ein dynamischer Tarif kann interessant sein, wenn:
- Ein intelligentes Messsystem vorhanden ist.
- Verbrauch zeitlich verschoben werden kann.
- Eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto flexibel gesteuert wird.
- Preisschwankungen verstanden und akzeptiert werden.
Er ist weniger geeignet, wenn Sie einen möglichst stabilen monatlichen Betrag benötigen und Ihren Verbrauch kaum verschieben können.
Den Anbieter selbst prüfen
Der niedrigste Preis ist nicht das einzige Auswahlkriterium.
Recherchieren Sie:
- Vollständiger Unternehmensname.
- Impressum.
- Erreichbarkeit des Kundenservice.
- Erfahrungen mit Abrechnungen.
- Umgang mit Bonuszahlungen.
- Beschwerdewege.
- Zahlungsbedingungen.
Einzelne negative Bewertungen beweisen nicht automatisch ein systematisches Problem.
Wiederkehrende Beschwerden über dieselbe Abrechnungspraxis sollten jedoch genauer betrachtet werden.
So funktioniert der Wechsel
- Jahresverbrauch und Zählernummer bereithalten.
- Mehrere Tarife vergleichen.
- Preis ohne Bonus berechnen.
- Laufzeit und Kündigungsfrist lesen.
- Neuen Vertrag abschließen.
- Bestätigung und Vertragsbeginn kontrollieren.
- Zählerstand am Wechseltag fotografieren.
- Schlussrechnung des alten Lieferanten prüfen.
Der neue Anbieter übernimmt häufig die Kündigung des bisherigen Vertrags.
Wenn Sie jedoch selbst ein Sonderkündigungsrecht nutzen oder eine sehr kurze Frist einhalten müssen, kann eine eigene Kündigung erforderlich sein.
24-Stunden-Wechsel richtig verstehen
Seit dem 6. Juni 2025 muss der technische Stromlieferantenwechsel grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden an Werktagen möglich sein.
Diese technische Beschleunigung verkürzt jedoch nicht automatisch die vertragliche Kündigungsfrist. Ein rückwirkender Wechsel ist nicht möglich.
Das bedeutet:
- Der technische Prozess kann schnell erfolgen.
- Ihr alter Vertrag kann trotzdem länger laufen.
- Sie müssen den neuen Vertrag vor dem gewünschten Lieferbeginn abschließen.
- Ein vergessener Umzug kann nicht nachträglich durch einen rückwirkenden Vertrag korrigiert werden.
Umzug rechtzeitig vorbereiten
Bei einem Einzug sollten Sie den gewünschten Liefervertrag möglichst vor der ersten Stromnutzung abschließen.
Die Bundesnetzagentur empfiehlt, sich frühzeitig um den Vertrag für die neue Wohnung zu kümmern.
Am Übergabetag fotografieren Sie:
- Zählerstand.
- Zählernummer.
- Datum.
- Übergabeprotokoll.
Melden Sie nicht versehentlich den Zähler einer Nachbarwohnung.
Abschlag realistisch festlegen
Ein niedriger Abschlag ist nicht automatisch ein günstiger Tarif.
Wenn der Abschlag den erwarteten Jahrespreis nicht deckt, entsteht später eine hohe Nachzahlung.
Beispiel
- Erwartete Jahreskosten: 1.200 Euro.
- Realistischer monatlicher Abschlag: etwa 100 Euro.
- Anbieter verlangt zunächst nur 65 Euro.
- Mögliche Unterdeckung im Jahr: 420 Euro.
Prüfen Sie, ob der Abschlag zum angegebenen Jahresverbrauch und Tarifpreis passt.
Schlussrechnung kontrollieren
Nach dem Wechsel erhalten Sie eine Schlussrechnung.
Kontrollieren Sie:
- Enddatum des Vertrags.
- Endzählerstand.
- Verbrauch.
- Bereits gezahlte Abschläge.
- Bonusanspruch.
- Guthaben oder Nachzahlung.
Wurde der Zählerstand geschätzt, obwohl Sie ein Foto übermittelt haben, senden Sie den Nachweis erneut und bitten Sie um Korrektur.
Vergleichscheck vor dem Abschluss
- Jahresverbrauch korrekt?
- Grundpreis berücksichtigt?
- Preis ohne Bonus berechnet?
- Bonusbedingungen gelesen?
- Vertragslaufzeit passend?
- Kündigungsfrist notiert?
- Preisgarantie verstanden?
- Keine unerwünschte Vorauskasse?
- Anbieter überprüft?
- Gesamtpreis im zweiten Jahr tragbar?
Der günstigste Tarif ist der berechenbare Tarif
Die Grundversorgung kann durch ihre kurze Kündigungsfrist flexibel sein, ist aber nicht automatisch die günstigste Lösung.
Ein Wechsel kann die laufenden Kosten senken, wenn der neue Vertrag zum tatsächlichen Verbrauch passt.
Vergleichen Sie immer Arbeitspreis und Grundpreis. Berechnen Sie den Tarif zusätzlich ohne Neukundenbonus und prüfen Sie, wie hoch die Kosten nach dem ersten Jahr sein können.
Ein guter Vertrag hat nachvollziehbare Preise, eine passende Laufzeit und Bedingungen, die Sie verstehen.
Fotografieren Sie den Zählerstand und prüfen Sie sowohl die Bestätigung des neuen Anbieters als auch die Schlussrechnung.
Teilen Sie diesen Artikel mit Personen, die nach einem Umzug noch in der Grundversorgung sind. Ein sauber gerechneter Vergleich ist verlässlicher als die größte Bonuszahl auf der Ergebnisseite.
